Ultraschall-Tracking kann Tor-Nutzer deanonymisieren

Forschern ist es gelungen, Tor-Nutzer mit Hilfe von Cross-Device-Tracking via Ultraschall zu identifizieren. In einem Livetest zeigten sie, wie auch staatliche Angreifer die Infrastruktur der Werbefirmen nutzen können.

Dass Marketingunternehmen für Menschen unhörbare Ultraschallsignale benutzen, um ihre Werbebotschaften über Geräte hinweg gezielt platzieren zu können, ist seit ein paar Jahren bekannt. Die Technologie lässt sich aber auch dazu gebrauchen, Nutzer des Anonymisierungstools Tor zuverlässig zu identifizieren, wie ein Forscherteam um Vasilios Mavroudis nun herausgefunden hat.

Cross-Device-Tracking (XDT), also das Verfolgen von Nutzern über mehrere Geräte hinweg, ist so etwas wie der „Heilige Gral der Werbewirtschaft“, sagte Mavroudis in einem Vortrag auf dem 33. Chaos Communication Congress. Damit könnten Verbraucher noch gezielter und vor allem umfassend auf allen Geräten mit Werbung erreicht werden.

uXDT ist Alltag

Große Anbieter wie Facebook oder Google, bei denen sich Nutzer freiwillig anmelden, haben hier keine Schwierigkeiten. Die Nutzer identifizieren sich über alle ihre Geräte hinweg per Login selbst. Alle anderen können sich auf das sogenannte Ultraschall-XDT, oder kurz uXDT, verlassen.

Dabei emittiert eine auf einem Gerät angezeigte Werbung, also zum Beispiel ein Werbebanner auf einer Webseite, ein Audiosignal im Ultraschallbereich zwischen 18 und 20 kHz. Diese wird von präparierten Apps auf den anderen Geräten des Nutzers, etwa Smartphones oder Tablets, empfangen, ohne dass dies für das menschliche Ohr hörbar ist.

Was wie Science-Fiction klingt, ist im Alltag schon verbreitet. Firmen wie das US-Marketingunternehmen Silverpush bieten seit 2014 eigene SDKs an, die Entwickler in ihre werbefinanzierten Apps einbauen können. Unterstützt ein solches SDK uXDT, kann es über das eingebaute Mikrofon Ultraschallsignale anderer Geräte empfangen.

Deanonymisierung von Tor-Nutzern

Habe ein Tor-Nutzer nun ein Smartphone oder Tablet in der Nähe, auf dem ein solches Werbe-SDK installiert ist, springe dieses auf die Ultraschallsignale an und melde sich bei seinen Machern. Dazu müsse ein Nutzer das SDK nicht wissentlich installiert haben, denn es komme unbemerkt, eingebettet in kostenlose Apps. Laut Angaben haben die Signale eine Reichweite von bis zu sieben Metern, können physische Hindernisse wie Wände aber nicht durchdringen.

Das Smartphone sendet auf Befehl hin umfangreiche Identifikationsdaten über den Tor-Nutzer. (Screenshot: Golem.de)

So funktioniert der Angriff. (Screenshot: Golem.de)

In ihren Tests gelang es Mavroudis und seinem Team so, an Informationen wie E-Mail- und IP-Adresse, Telefonnummer, IMEI und Geolokalisationsdaten der Geräte zu gelangen und damit einen vormals anonymen Tor-Nutzer in Echtzeit einem identifizierbaren Smartphone zuzuordnen.

Zwar hat der Tor-Browser standardmäßig die Browsererweiterung NoScriptaktiviert, die Javascript blockiert. Webseiten könnten Audiosignale aber auch über die HTML5-Audio-API abspielen, ohne dass der Nutzer davon etwas merkt.

Für staatliche Angreifer interessant

Auch für staatliche Angreifer ist diese Art der Deanonymisierung den Forschern zufolge hochinteressant. Weil die private Infrastruktur bereits vorhanden und fertig auf den Geräten des Opfers installiert ist, müsse sich etwa ein Geheimdienst lediglich Zugriff auf die Daten der Werbefirmen verschaffen. In vielen Ländern ist dies auch ohne richterliche Genehmigung möglich.

Damit der Angriff erfolgreich ist, muss ein Tor-Nutzer aber offenbar noch nicht einmal auf eine bösartige Webseite gelockt werden, die den Ultraschall abspielt. Mavroudis zufolge könnten Browserschwachstellen dazu genutzt werden, entsprechenden Schadcode in ansonsten harmlose Webseiten einzubinden. Alternativ könnten Angreifer auch Tor-Exit-Nodes betreiben, um darüber als Man-in-the-Middle Schadcode in den Datenstrom einzufügen, der wiederum die Ultraschallsignale emittiert.

Bisher kaum Schutz für Anwender

Der Angriffsvektor wird umso erfolgversprechender, je mehr Apps Werbe-SDKs mit uXDT-Technologie verwenden. Mavroudis appellierte daher an App-Entwickler, sich den Code, den sie in ihre Apps integrieren, genau anzuschauen, um nicht versehentlich Spyware zu verbreiten.

Anwender können sich dagegen bisher offenbar kaum gegen uXDT wehren. Wer nicht gänzlich auf werbefinanzierte Apps verzichtet, läuft stets Gefahr, sich ein uXDT-fähiges Werbe-SDK einzufangen. Gesetzliche Beschränkungen der Technologie gibt es Berichten zufolge trotz erster Aktivitäten der amerikanischen Federal Trade Commission bisher nicht.

Für den Chrome-Browser stellen die Forscher jedoch eine Erweiterung mit dem Namen Silverdog zur Verfügung, die als Proof-of-Concept zeigen soll, dass sich Ultraschall browserseitig herausfiltern lässt. Außerdem schlägt das Team vor, eine entsprechende Option in den Code von Android zu übernehmen. So könnten Nutzer in Zukunft selbst entscheiden, welche App die Erlaubnis bekommen soll, Ultraschall zu emittieren.

Alternativ können Tor-Nutzer auch stets einen Hund oder eine Hauskatze um sich haben. Wie Mavroudis auf dem 33C3 mit verschmitztem Lächeln hinzufügt: „Wir haben einige Tests mit unserem Hund durchgeführt und können bestätigen, Tiere hören den Ultraschall.“

Quelle:  http://www.golem.de/news/anonymitaet-ultraschall-tracking-kann-tor-nutzer-deanonymisieren-1701-125434-2.html

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