DIE CLOWARD-PIVEN-STRATEGIE

Richard Poe auf DISCOVER THE NETWORKS über Sozialhilfe und bedingungsloses Grundeinkommen als Wutbürgerkeulen.

cloward-pivenDie seit 1966 nach Richard Andrew Cloward und Frances Fox Piven, Soziologen der Universitiät Columbia, benannte „Cloward-Piven-Strategie“ versucht, das Ende des Kapitalismus zu beschleunigen, indem die staatliche Bürokratie mit einer Flut von unerfüllbaren Forderungen überlastet wird, was zu sozialen Krisen und zum wirtschaftlichen Zusammenbruch führen soll.

Angeregt durch die Unruhen vom August 1965 im schwarzen Stadtteil Watts in Los Angeles — die ausbrachen, nachdem die Polizei Schlagstöcke eingesetzt hatte, um einen Afroamerikaner unter Kontrolle zu kriegen, der unter dem Verdacht der Trunkenheit am Steuer stand — veröffentlichten Cloward und Piven am 2. Mai 1966 in THE NATION einen Artikel mit dem Titel „Die Bedeutung der Armen: Eine Strategie, zur Beendung der Armut“ („The Weight of the Poor: A Strategy to End Poverty“). Nach der Veröffentlichung verkaufte THE NATION beispiellose 30.000 Nachdrucke. Aktivisten waren von der sogenannten „Krisenstrategie“ oder „Cloward-Piven-Strategie“, wie sie später genannt werden sollte, begeistert und viele brannten darauf, sie in die Tat umzusetzen.

In ihrem Artikel von 1966 beschuldigten Cloward und Piven die herrschenden Klassen, daß sie den Wohlfahrtsstaat dazu nutzen, die Armen zu schwächen und daß die Reichen ein soziales Sicherheitsnetz anbieten, um das Feuer der Rebellion zu löschen. Arme Menschen können nur Fortschritte machen, wenn „der Rest der Gesellschaft Angst vor ihnen hat“, sagte Cloward am 27. September 1970 gegenüber der NEW YORK TIMES. Statt die Armen mit Almosen der Regierung zu beschwichtigen, schrieben Cloward und Piven, sollten Aktivisten daran arbeiten, das Sozialsystem zu sabotieren und zu zerstören; der Zusammenbruch des Wohlfahrtsstaates würde eine politische und finanzielle Krise auslösen, die das Land erschüttern würde; arme Leute würden sich in Revolten erheben; nur dann würde „der Rest der Gesellschaft“ ihre Forderungen akzeptieren.

Die Aufdeckung der Unzulänglichkeit des Wohlfahrtsstaates wäre der Schlüssel zur Entzündung dieser Rebellion. Als Beispiel für ihre Inspiration zitierten die ersten Unterstützer von Cloward und Piven den radikalen Gemeinwesenarbeiter / Bürgerorganisator / Stadtteilarbeiter / Community-Organizer Saul Alinsky: „Der Feind soll seinem eigenen Regelkatalog gerecht werden“, schrieb Alinsky 1974 in seinem Buch „Die Stunde der Radikalen“ (1971, „Rules for Radicals“). Alle jüdisch-christlichen Moralgrundsätze (Anm.: Kennen Sie auch nur einen einzigen jüdischen Moralgrundsatz aus Tora oder Talmud?), alle Versprechen des freiheitlichen Gesellschaftsvertrages, und alle menschlichen Ämter werden zwangsläufig versagen, wenn sie gezwungen werden, jedes Wort von jedem Gesetz und jedem Statut zu honorieren. Das Versagen des Systems, seinem Regelwerk „gerecht“ zu werden, kann dann genutzt werden, um es insgesamt zu diskreditieren und das kapitalistische „Regelwerk“ durch ein sozialistisches zu ersetzen.

Die Autoren schrieben, daß die Zahl der Amerikaner, die Sozialhilfe in Anspruch nehmen — zu jener Zeit über 8 Millionen — wahrscheinlich weniger als die Hälfte derer repräsentierten, die einen vollen Förderanspruch hätten. Sie schlugen vor, „verstärkt die Armen für die Sozialhilfezahlungen zu rekrutieren“. Cloward und Piven rechneten mit dem Bankrott des Systems, wenn auch nur ein Bruchteil der potentiellen Sozialhilfeempfänger überzeugt werden könnte, ihre Ansprüche geltend zu machen. Als Ergebnis prognostizierten sie „eine tiefe finanzielle und politische Krise“, die „starke Kräfte … für große wirtschaftliche Reformen auf nationaler Ebene entfesseln würde“.

Ihr Artikel fordert „Kader aus aggressiven Organisatoren“, diese nutzen „Demonstrationen, um ein Klima der Militanz zu schaffen“. Die drohende schwarze Gewalt würde die Politiker einschüchtern, die die Bundesregierung zu Hilfe rufen würden. Sorgfältig orchestrierte Medienkampagnen sympathisierender linker Journalisten verbreiten den Gedanken an „ein föderales Programm der Einkommensumverteilung“ in Form eines garantierten Einkommens für alle Menschen — arbeitende und nicht-arbeitende gleichermaßen. Behördenvertreter würden diese Idee aufgreifen wie Ertrinkende eine Rettungsleine. Sie würden auf Washington Druck ausüben, damit sie umgesetzt werden. Mit jeder größeren Stadt, in der Proteste ausbrechen, wäre Washington gezwungen, zu handeln.

Dies ist ein Beispiel für Bewegungen, die gemeinhin Trojanisches Pferd genannt werden — Massenbewegungen, deren äußerer Zweck zu sein scheint, den Unterdrückten materiell zu helfen, deren eigentliches Ziel es jedoch ist, arme Menschen als revolutionäres Fußvolk zu rekrutieren; Massen von armen Menschen zu mobilisieren, um die Behörden mit einer Flut von Forderungen zu überwältigen, die über deren Kapazitäten hinausgehen. Die Flut von Forderungen soll das Budget sprengen, das bürokratische Getriebe blockieren, und das System zum Einsturz bringen. Begleitet von Angst, Unruhe, Gewalt und wirtschaftlichen Krisen würde ein solcher Zusammenbruch die perfekten Bedingungen für einen radikalen Wandel schaffen. Das war die Theorie.

Cloward und Piven rekrutierten einen militanten schwarzen Organisator namens George Wiley, der ihre neue Bewegung anführte. Im Sommer 1967 gründete Wiley die „Landesorganisation für Sozialrechte“ („National Welfare Rights Organization“, NWRO). Seine Taktik folgte den Empfehlungen aus Cloward und Pivens Artikel. Seine Anhänger marschierten — häufig gewalttätig — in die Sozialämter der Vereinigten Staaten, terrorisierten die Mitarbeiter und forderten lautstark jeden Cent, zu dem sie das Gesetz „befugt“. Bis 1969 hatte die NWRO mit 523 Ortsverbänden im ganzen Land eine Mitgliederzahl von 22.500 beitragszahlenden Familien.

Die NEW YORK TIMES schrieb am 27. September 1970 über Wileys Taktik: „Es gab Sitzstreiks in gesetzgebenden Kammern, einschließlich einer Anhörung im Senat der Vereinigten Staaten, Massendemonstrationen von mehreren tausend Sozialhilfeempfängern, Schulboykotts, Streikposten, berittene Polizeieinsätze, Tränengas, Festnahmen — und gelegentlich Steinwürfe, zertrümmerte Glastüren, umgestürzte Tische, verstreute Papiere und herausgerissene Telefone.“

Diese Methoden erwiesen sich als wirksam. „Die Überflutungsstrategie übertraf Wileys kühnste Träume“, schreibt Sol Stern im CITY JOURNAL. „Von 1965 bis 1974 stieg die Zahl der alleinerziehenden Sozialhilfeempfänger von 4.300.000 auf 10.800.000, trotz einer meist günstigen Konjunktur. In den frühen 1970er Jahren kamen in New York City auf einen Sozialhilfeempfänger jeweils zwei Personen, die in der Privatwirtschaft arbeiteten.“

Als direkte Folge der hohen Sozialhilfeausgaben mußte New York City im Jahr 1975 den Bankrott erklären. Der gesamte Staat New York ging fast mit unter. Die Cloward-Piven-Strategie hatte sich bewährt.

Der Cloward-Piven-Plan hing vom Überraschungsmoment ab. Sobald sich die Gesellschaft vom ersten Schock erholt hatte, begann der Gegenschlag. New Yorks Krise des Sozialhilfesystems entsetzte Amerika und führte zu einer Reformbewegung, die schließlich „das Ende des Sozialstaates, wie wir ihn kennen“ (Anm.: das Statement „the end of welfare as we know it“ stammt von Bill Clinton) zur Folge hatte — das „Gesetz über persönliche Verantwortung und Arbeitsmöglichkeiten“ („Personal Responsibility and Work Opportunity Reconciliation Act“, PRWORA) von 1996, das der staatlichen Sozialhilfe Fristen, strenge Zulassungskriterien und Arbeitsanforderungen auferlegte. An der Unterzeichnung des Gesetzesentwurfs durch Präsident Clinton im Weißen Haus nahmen (Anm.: am 22. August 1996) beide, Cloward und Piven, als Gäste teil.

Die meisten Amerikaner haben bis heute noch nie von Cloward und Piven gehört. (Anm.: Von den Europäern ganz zu schweigen, die sich mit dem bedingungslosen Grundeinkommen seit Jahren immer häufiger das Hirn waschen.) New Yorks Bürgermeister Rudolph Giuliani versuchte jedoch, sie in den späten 1990er Jahren bloßzustellen. Als seine Reformbestrebungen des Sozialsystems an Dynamik gewannen, nannte Giuliani die militanten Gelehrten beim Namen und zitierte ihr Manifest von 1966 als Beweis, daß sie bewußte ökonomische Sabotage betrieben. „Das war kein Zufall“, klagte Giuliani 1997 in einer Rede. „Es war nicht übernatürlich, es war nicht atmosphärisch. Dies ist das Ergebnis strategischer politischer Programme, die entwickelt wurden, damit die maximale Anzahl von Menschen von Sozialhilfe lebt.“

Cloward und Piven enthüllten ihre Absichten nie wieder so offen, wie sie es in ihrem Artikel von 1966 getan hatten. Trotzdem setzte ihr Aktivismus in den Folgejahren weiter auf die Taktik der Überlastung des Systems. Als die Öffentlichkeit ihre Sozialhilfestrategie durchschaute, machten Cloward und Piven einfach weiter und übten Druck auf andere Sektoren der Bürokratie aus, wo sie Schwächen erkannten.

1982 gründeten alte Genossen der Cloward-Piven-Strategie eine neue „Wahlrechtsbewegung“, die vorgeblich die unvollendete Arbeit des Wahlrechtsgesetzes (Voting Rights Act) von 1965 aufnehmen wollte. (Anm.: 1965 bekamen Analphabeten das Wahlrecht — es ist ja aber eine gute Sache, wenn Analphabeten wählen dürfen, so wie es auch eine gute Sache wäre, wenn bereits ab der Einschulung gewählt werden dürfte, nachdem die Kinder quasi ein Jahr lang öffentlich-rechtlich indoktriniert wurden.) Wie ACORN, die Organisation, die jene Aktion anführte, wurde die neue „Wahlrechtsbewegung“ von Veteranen aus George Wileys Sozialhilfe-Kreuzzug angeführt. Die Flaggschiff-Organisationen, „Projekt Vote“ and „Human SERVE“, wurden beide 1982 gegründet. Projekt Vote ist eine ACORN Fassadenorganisation, gegründet vom ehemaligen NWRO Organisator und ACORN Mitbegründer Zach Polett. Human SERVE wurde von Richard A. Cloward und Frances Fox Piven gegründet, zusammen mit einem ehemaligen NWRO Organisator namens Hulbert James.

Alle drei Organisationen — ACORN, Project Vote and Human SERVE — widmeten sich intensiv der Lobbyarbeit für das so genannte „Kraftfahrzeug-Wähler-Gesetz“, („Motor-Voter-law“) das Bill Clinton schließlich im Jahr 1993 unterzeichnete. (Anm.: Menschen, die so arm waren, daß sie ein Auto besaßen, konnten sich durch das Gesetz, wenn sie ein Nummernschild beantragten, für die Wahl registrieren lassen, was ungefähr so dreist ist, wie jedem eine Wählerstimme zu geben, der per E-Mail eine Kinokarte reserviert — unter den 24 Millionen windigen Wählerregistrierungen sind 1,8 Millionen Namen von Verstorbenen und 2,75 Millionen Mehrfachregistrierungen). Das Motor-Voter-Gesetz ist weitgehend verantwortlich für eine Wählerflut aus „totem Holz“ („dead wood“) — ungültige Registrierungen auf den Namen von verstorbenen, unzulässigen oder nicht existenten Personen — was sowohl einem beispiellosen Wahlbetrug Tür und Tor öffnete, als auch Klagen über den „Entzug des Wahlrechts“ in späteren Wahlen.

Die neue Koalition für „Wahlrechte“ kombiniert das Ziel, Wählermassen zu registrieren — in der Regel mit einem hohen Anteil an Betrugsfällen verbunden — mit systematischen Einschüchterungen von Wahlhelfern in Form von unseriösen Zivilprozessen, unbegründeten Klagen wegen „Rassismus“ und „Entmündigung“, sowie Straßenprotesten, die auch gewalttätig sein können, namens „Direkte Aktion“ (Anm.: Ein Begriff, der 1912 bei der Anarchistin Voltairine de Claire auftauchte und der auch Sabotage beinhaltet). So wie sie in den 1960er Jahren die amerikanischen Sozialämter überfluteten, versuchen Cloward-Piven-Anhänger nun, das unterbesetzte und schlecht überwachte Wahlsystem des Landes zu überwältigen. Ihre Taktik bereitete im Jahr 2000 die Bühne für die Krise der Neuauszählung in Florida und gab den US-Wahlen einen Beigeschmack von Angst, Spannung und düsteren Vorahnungen, wie sie bisher vor allem aus Ländern der Dritten Welt bekannt waren.

Sowohl die Stimmrechts-Bewegung als auch die Bewegung für ein bedingungsloses Grundeinkommen sind beide stark von George Soros‘ finanzieller Unterstützung durch seine „Stiftung Offene Gesellschaft“ („Open Society Institute“) und seine „Schatten-Partei“ abhängig, wodurch als Vorlage für die ehrgeizigen Aktionen der Linken auch die Cloward-Piven-Strategie unterstützt wird.

Eine ausführlichere Analyse der Cloward-Piven-Strategie finden Sie hier.

Hier finden Sie den Originalartikel, The Cloward-Piven Strategy.

Im basisdemokratischen Informationsdachverband Wikipedia finden Sie natürlich nichts davon.

Der Eintrag zu Richard A. Cloward ist mit folgendem kulturell wertvollen Ballast angereichert:

Cloward studierte an der Columbia University Sozialarbeit und Soziologie und arbeitete danach als Sozialarbeiter. Seit 1954 lehrte er an der Columbia University Sozialarbeit und nach seiner Promotion 1958 Soziologie. Cloward entwickelte gemeinsam mit Lloyd E. Ohlin die merton’sche Anomietheorie weiter und verknüpften sie mit der Subkulturtheorie. Nach ihrer Auffassung steigt die Kriminaitätswahrscheinlichkeit nicht allein aus Mangel an legitimen Mitteln zur Erreichung allgemein üblicher Ziele. Es komme entscheidend auch auf die Verfügbarkeit illegitimer Mittel an, die in Subkulturen eher zur Verfügung gestellt würden.

Und im Text zu seiner Frau, Frances Fox Piven, erfahren Sie, daß die Forschung festgestellt hatte, daß arme Menschen gerne Wählen gehen, Sozialhilfe in Anspruch nehmen und Auto fahren:

Während ihrer gesamten Laufbahn verband Piven ihre akademische Arbeit mit sozialem und politischem Engagement. Ein Beispiel: 1983 war sie Mitgründerin von Human SERVE, einer Organisation, die Menschen dazu zu bringen versuchte, sich für die Wahlen registrieren zu lassen. Der Vorschlag der Gruppe war, dass Menschen, die soziale Dienste in Anspruch nahmen oder mit der KFZ-Verwaltung zu tun hatten, auf eine Registrierung angesprochen werden sollten. Die Forschung hatte ergeben, dass gerade Arme sich oft nicht registrieren ließen. Die Initiative von Human Serve wurde von der Regierung Clinton aufgegriffen und 1993 der National Voter Registration Act novelliert. Diese Fassung des Gesetzes ist im Volksmund als “motor voter bill” (Ehrenreich 2006) bekannt.Nach andauernden Anfeindungen durch den ultrakonservativen Fox-Nachrichtensprecher Glenn Beck erhielt Piven wiederholt Morddrohungen

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