Griechenland existiert nicht mehr

Geldgeber-Kontrolleure in Athen, Banken brauchen neues Geld

Anders kann ich es mir nicht erklären, denn bis vor kurzem war die Krise in Griechenland immerhin noch das alles bestimmende Thema in allen Medien, für Politiker und für uns. Kein Tag verging ohne Botschaften, wie wenige Wochen Griechenland nur noch zahlungsfähig sei und wie existenzgefährdend das für ganz Europa wäre. Aber nun: Funkstille. Nichts mehr zu hören.

Sicher, wir haben dank der Flüchtlinge jetzt ein neues Thema, welches sich in allen Talkshows nahtlos in gewohnter Weise weiter auf der Skala zwischen „Apocalypse Now“ und „Ja, wir schaffen das“ diskutieren lässt. Aber ist das nicht trotzdem beeindruckend, dass die Griechenlandkrise nun plötzlich gar nicht mehr zu existieren scheint? Und vor allem: Was sagt uns das? War sie doch nicht so existenzbedrohend? Haben wir uns umsonst aufgeregt, waren die wichtigen Talkshows, die vielen Artikel und unsere langen Diskussionen im Netz alle umsonst?

Als ich diese Beobachtung vor drei Wochen schon einmal auf Facebook äußerte, wurde ich auf einen Artikel der FAZ verwiesen, in dem dieses Thema umgekehrt betrachtet wird: „Kommen die Flüchtlinge eigentlich erst zu uns, seit wir mit Griechenland durch sind? Oder haben wir da lange etwas übersehen?“. In dem Artikel wird eine Beobachtung des Mainzer Kommunikationswissenschaftlers Hans Mathias Kepplinger erwähnt:

Die Aufmerksamkeit des Durchschnittsdeutschen reiche heute nur noch für ein oder maximal zwei Themen. Vor einigen Jahren seien es noch drei oder vier gewesen.

„Das ist ein Kampf um ganz wenige Plätze“, sagt Kepplinger über die Konkurrenz der Großthemen. „Es geht nicht um die Bedeutung des Themas an sich, es geht um die Wettbewerbslage.“

Ich kann mir gut vorstellen, dass das stimmt, dass also unsere Fähigkeit oder unsere Bereitwilligkeit rückläufig ist, sich mit verschiedenen Themen gleichzeitig zu beschäftigen. Aber ich bin doch erstaunt, dass Griechenland nicht zumindest Thema Nummer zwei geblieben ist. Zahlungsfähig sind die Griechen ja ganz bestimmt nicht über Nacht geworden.

Ende September bekam das Land noch einmal kurz etwas mediale Aufmerksamkeit, als die Parlamentswahl stattfand. Aber seitdem ist schon wieder Funkstille.

Quelle:  http://www.frankshalbwissen.de/2015/10/06/griechenland-existiert-nicht-mehr/

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