S.A.R.S. (Sveže Amputirana Ruka Satriania)

INTERVIEW: S.A.R.S.22.09.2014

„Unsere Musik ist unser Protest“

© zVg.

Die aus Belgrad stammende Band S.A.R.S. gehört zu den wichtigsten Vertretern der aktuellen Alternative-Szene am Balkan. Anlässlich ihres Konzerts am 25. September in der Szene Wien baten wir sie zum Interview.
S.A.R.S. wurde 2006 in Belgrad gegründet und landete bereits im folgenden Jahr mit dem Lied „Buđav’ lebac“ einen Hit in der Region des ehemaligen Jugoslawien. Die Musik, die sie spielen, ist eine Kombination mehrerer Stile und die Texte beschäftigen sich immer mit gesellschaftlichen Themen. Der Gruppe wurde 2013 bei der Eröffnungsveranstaltung des regionalen Senders VH1 der jährliche „MTV Double Platinum Award“ für den Spot „Perspektiva“ verliehen, der 2012 über 800-mal auf MTV gespielt wurde. S.A.R.S. hat bisher vier Alben veröffentlicht und mehr als 10 Spots aufgenommen, von denen sechs auf YouTube über eine Million Mal angeklickt wurden.

KOSMO: Euer Name S.A.R.S. ist eine Abkürzung und bedeutet so viel wie „Frisch amputierte Hand von Satriani“. Wie seid ihr auf diesen ungewöhnlichen Namen gekommen?S.A.R.S.: Uns hat sich die Frage aufgedrängt, ob die Musik aus der Hand oder aus dem Kopf kommt. Wir fragten uns, wie es wäre, wenn wir Satriani eine Hand amputierten und sie unserem Gitarristen annähen würden. Das ist sicher sinnlos, aber in dem Moment fanden wir es lustig. Joe Satriani, ein international bekannter Gitarrist, gastierte damals gerade in Belgrad, und so diskutierte man über seine Virtuosität auf dem Instrument. Die ganze Geschichte und die Polemik wurden mit ein paar Bierchen gewürzt, und aus dieser ganzen Alberei entstand unser Bandname. Heute wissen wir nicht mehr genau, wem der Name und die Abkürzung eingefallen sind, aber wir finden, dass das auch nicht so wichtig ist. Wichtig ist, dass er gut klingt und den Leuten gefällt.

Ihr habt 2006 als siebenköpfige Band gestartet. Welche Geschichte steht hinter eurer Gründung, wie habt ihr euch kennengelernt?

Wir wollten über die Musik unsere Revolte und Unzufriedenheit ausdrücken und in unseren Liedern alles laut heraussingen, was uns bedrückt. Wir haben uns nicht erst damals kennengelernt. Überwiegend kennen wir uns schon seit unserer Kindheit und waren vor der Gründung der Band schon sehr lange befreundet. Jeder von uns spielte ein Instrument, die ersten Proben wurden angesetzt und der Rest ist Geschichte.

Ein Jahr nach der Gründung gelang euch mit dem Lied „Buđav ‘lebac” („Schimmliges Brot“) der Durchbruch. Woher stammte die Idee zu dem Lied und was sagt es aus?

Das Lied ist von den Studentenprotesten und der Erhöhung der Schulgebühren inspiriert. „Schimmliges Brot“ gibt es, wenn das Haushaltsgeld zur Neige geht, wenn der soziale Status im Land das niedrigste Niveau erreicht, wenn alles zu teuer ist und die Eltern nicht genug Geld für all das haben, was sie zahlen müssen. Das kommt in unserem Land, aber auch in den anderen Ländern Ex-Jugoslawiens häufig vor. Es kommt auch vor, dass Studenten in Serbien nicht einmal mehr schimmliges Brot haben, und nicht nur Studenten, sondern auch andere, sodass dieser Text bei uns und in der Region immer aktuell ist. Wenn es nicht so wäre, hätte niemand dieses Lied ernst genommen und interessant gefunden. Leider hat es immer schimmliges Brot gegeben und wird es das immer geben, und das überall in der Welt. Die Frage ist nur, wie offen darüber geredet wird und was für die Bekämpfung der Armut getan wird.

Bisher habt ihr vier Alben herausgebracht. Laufen schon Vorbereitungen für ein neues Album?

Es gibt neue Lieder, aber an ein neues Album denken wir noch nicht. Wir waren bei der Auswahl der Lieder für die neuen Alben immer vorsichtig, sodass von jedem Album einige Lieder übriggeblieben sind. Ein paar Jahre später finden diese Lieder auf einem der nächsten Alben ihren Platz, werden neu arrangiert oder umgeschrieben. Das hat sich bisher immer als richtig erwiesen.

Am 25. September gebt ihr ein Konzert in Wien. Das ist nicht euer erster Besuch in der österreichischen Metropole, oder?

Nein, wir waren schon in Wien und ich glaube, dass uns unser Publikum dort schon gut kennt. Bei einem Auftritt sind wir schon einen Tag früher angereist, um diese schöne große Stadt anzusehen.

Habt ihr denn schon einen Lieblingsplatz in Wien, den ihr als Gruppe unbedingt besuchen werdet?

Als Gruppe verbringen wir unsere Freizeit selten zusammen, und zwar aus dem einfachen Grund, dass wir schon so viel Zeit zusammen verbringen, im Auto, auf der Bühne, in den Tonstudios, bei Mittag- und Abendessen, in den Hotels etc.

Sandra Radovanović / KOSMO

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Quelle:  http://www.kosmo.at/news/Unsere-Musik-ist-unser-Protest

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