Die nächste Wirtschaftskrise steht unmittelbar bevor

Michael Snyder

Eine Wirtschaftskrise bricht nicht von jetzt auf gleich aus, normalerweise gibt es immer bestimmte Anzeichen im Vorfeld. Bevor es zu einer Rezession kommt, stürzen beispielsweise Rohstoffpreise meist in den Keller.

 

Und wie Sie hier anhand des Bloomberg Commodity Index sehen können, ist es derzeit wieder einmal so weit. An anderer Stelle habe ich darüber geschrieben, wie der US-Dollar kurz vor der großen Finanzkrise von 2008 zu einem Höhenflug ansetzte. Etwas Ähnliches haben wir in den vergangenen Monaten erlebt.

Einige Leute wollen einem weismachen, dass niemand vorhersagen kann, wann der nächste große Wirtschaftsabschwung einsetzt. Wer es dennoch versuche, stelle einfach nur »Vermutungen« an.

 

Aber das stimmt nicht. Wir können uns die Vergangenheit ansehen und darin Muster erkennen, die sich wiederholen. Wer das tut, wird feststellen, dass sich sehr viele Dinge, die sich vor früheren Börsencrashs abspielten, derzeit wiederholen.

 

Nehmen wir nur den Ölpreis zum Beispiel. Erst zwei Mal in der Geschichte ist der Ölpreis innerhalb von sechs Monaten um über 50 Dollar eingebrochen. Das erste Mal vor der Finanzkrise von 2008. Das zweite Mal ist jetzt gerade…

 

 

Der Einbruch bei den Ölpreisen hat dazu geführt, dass in den USA die Förderung in einem Tempo gedrosselt wird, bei dem einem die Spucke wegbleibt. Die Hälfte aller Öltürme in den USA sind bereits stillgelegt! Der nachfolgende Kommentar und die Grafik kommen von Wolf Richter:

In der vergangenen Woche wurden Baker Hughes zufolge weitere 41 Fördertürme außer Betrieb gestellt. Damit waren nur 825 Türme in Betrieb, 48,7 Prozent weniger als noch im Oktober. In den 23 Wochen seit damals haben die Förderunternehmen 784 Türme stillgelegt, der rasanteste und steilste Absturz, seitdem diese Daten erhoben werden.


 

Was wir hier erleben, ist ein ausgewachsener Abschwung beim Fracking, und dieser Abschwung wirkt sich bereits dramatisch auf diejenigen US-Staaten aus, die stark von der Energiebranche abhängig sind. Hier zum Beispiel eine beunruhigende Nachricht ganz frisch aus Texas:

Der Einbruch der Ölpreise setzt der texanischen Wirtschaft massiv zu. In der jüngsten Ausgabe des Geschäftsklimaindex der texanischen Notenbank fiel der Wert von minus 11,2 im Februar auf nunmehr minus 17,4, was für eine Eintrübung des Wirtschaftsumfelds in dem Bundesstaat spricht.

Autsch. Aber nicht nur Texas ist betroffen, das Leiden geht weit über den Lone Star State hinaus. In den vergangenen Jahren haben die Wall-Street-Banken gewaltige Gewinne gescheffelt, indem sie Kredite, Anleihen und ähnliche Dinge von Firmen der Energiebranche zu Paketen verschnürt und an Investoren verkauft haben.

 

Das haben Sie so ähnlich schon mal gehört? Stimmt, nämlich kurz vor der Subprime-Krise, damals allerdings mit Hypotheken schlechter Bonität. Während die Fracking-Branche weiter auf den Abgrund zutaumelt, werden mehr und mehr Kredite und Anleihen faul werden.

 

Wer auf diesen wertlosen Papieren sitzen bleibt, dem drohen gewaltige Verluste. Noch einmal Wolf Richter:

Der Wall Street passte das ganz gut: Dealogic hat errechnet, dass die Banken in den vergangenen fünf Jahren 31 Mrd. Dollar an Gebühren mit der amerikanischen Öl- und Gasbranche und deren Investoren verdient haben, und zwar durch Börsengänge, Ausgliederungen, Leveraged-Loan-Finanzierungen, den Verkauf von Anleihen und Ramschanleihen und durch Fusionen und Übernahmen.

Das macht sechs Mrd. Dollar an Gebühren pro Jahr! In den vergangenen vier Jahren haben die Banken allein mit »Leveraged Loans« mehr als vier Mrd. Dollar eingenommen. Machte diese Vergabe von Krediten an überschuldete Firmen mit schlechter Bonität 2009 noch etwa 40 Mrd. Dollar aus, waren es 2014 bereits 210 Mrd. Dollar, bevor das ganze Geschäft abrupt zum Erliegen kam.

Was mit diesen Ramschanleihen und Leveraged Loans passiert, ist der Wall Street egal, so wurde der ganze Krempel erst einmal in offene Investmentfonds ausgelagert, wo er ungesehen verrottet. Es ist der Wall Street auch egal, was mit den Leveraged Loans geschieht, wenn sie in gut bewertete Collateralized Loan Obligations verpackt und an Dritte verkauft wurden.

Parallel dazu lässt sich beobachten, wie der Welthandel abkühlt. Das ist meist der Fall, bevor sich die Dinge zum Negativen wenden, entsprechend beunruhigend ist die Meldung, dass der Welthandel im Januar um 1,4 Prozent unter dem Wert vom Dezember lag. Es handele sich um den größten Rückgang seit 2011, schreibt Tyler Durden von ZeroHedge:

Die jüngsten Zahlen vom niederländischen Planungsamt sind da. Der Behörde zufolge ging der Welthandel nach Volumen im Januar um saftige 1,4 Prozent gegenüber dem Dezember zurück. Das ist der größte Rückgang seit 2011!


 

Auch aus den USA erreichen uns beunruhigende Signale. Die nachfolgende Grafik hatte ich an anderer Stelle schon einmal vorgestellt, aber man kann sie durchaus noch einmal verwenden. Sie stammt von Charles Hugh Smith und zeigt, dass die Neuaufträge für Konsumgüter so schnell zurückgehen wie seit der vorigen Rezession nicht mehr.

 

 

Aber die Börse! Am Montag gewann doch der Dow-Jones-Index über 200 Punkte. Das ist doch eine gute Nachricht, oder? Ja, aber die Euphorie an der Wall Street wird nicht von Dauer sein.

 

Wenn es erst einmal damit losgeht, dass die Gewinne pro Aktie stagnieren oder womöglich fallen, werden alle Alarmglocken läuten. Das haben wir vor dem Börsencrash von 2008 erlebt und es ist jetzt auch nicht anders. Hier eine Grafik und ein Kommentar von Phoenix Capital Research:

Sehen Sie sich die derzeitigen Aktienkursentwicklungen und die Veränderungen bei den künftigen Gewinnen pro Aktie an. Achten Sie vor allem darauf, welche Folgen Abweichungen zwischen Gewinn pro Aktie und Aktienkurs haben (kleiner Tipp: Achten Sie besonders auf 2007/2008).


Wir alle erinnern uns noch, wie es weiterging.

 

Und wissen Sie was? Laut CNBC macht das »Smart money« die Biege. Viele der Trendsetter ziehen ihr Geld von der Börse ab, solange sie noch im Plus stehen.

Die jüngsten Marktschwankungen lassen die Börsenanleger in Richtung Ausgang strömen. Sie suchen ihr Heil im Bargeld.

2015 hat der Abzug von Mitteln aus aktienbasierten Fonds den höchsten Stand seit 2009 erreicht. Das hängt mit der Achterbahnfahrt an den Märkten zusammen. Schwache Wirtschaftsdaten, ein stärkerer Dollar und die Möglichkeit einer restriktiveren Geldpolitik setzen die Börse unter Druck.

Im laufenden Jahr wurden bislang 44 Mrd. Dollar an Kapital von Fonds abgezogen, die in Aktien investieren, meldet die Bank of America Merrill Lynch. In fünf der vergangenen sechs Wochen registrierten die Fonds einen Kapitalabfluss, darunter allein 6,1 Mrd. Dollar in der vergangenen Woche.

Was nützt es, heute auf dem Papier ein Millionär zu sein. Wichtig ist, ob das Geld da ist, wenn man es tatsächlich braucht. Momentan wiegen sich sehr viele Menschen in dem falschen Glauben, dass die Lage doch nicht so schlimm sein kann: Die Börse boomt doch, die Wirtschaft wirkt doch stabil.

 

Unter der Oberfläche jedoch ist die Lage sehr unruhig. Wer auf die Zeichen achtet, wird schon weit im Vorfeld erkennen, dass die nächste Krise naht. Wer sich fälschlich in Sicherheit wähnt, der wird ziemlich kalt erwischt werden. Gehören Sie nicht zu diesen Menschen!

 

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