Staatsanwalt fordert Herausgabe von mutmaßlichem Absturz-Video

Die Ermittler hätten die am Absturzort gefundenen Handys noch nicht ausgewertet, heißt es bei der französischen Gendamerie in Seyne Les Alpes.

Germanwings A320 abgestürzt - Seyne Les Alpes
 (Foto: dpa)

 

  • Die französische Justiz hat die Herausgabe eines angeblichen Absturz-Videos gefordert.
  • Mehrere Medien hatten berichtet, sie hätten Handy-Aufnahmen von den letzten Sekunden an Bord des Flugs 4U9525 einsehen können. Die französische Polizei dementierte allerdings – die Handys seien noch gar nicht ausgewertet worden.
  • Chefs von Lufthansa und Germanwings an Absturzstelle in Frankreich eingetroffen. In Haltern wollen Trauernde am Mittwoch zu einem öffentlichen Gottesdienst zusammenkommen.
  • Die Verkehrsfliegerschule war während der Ausbildung von Copilot Andreas Lubitz über dessen vorausgegangene Depression im Bilde.

Verwirrung um angebliches Absturz-Video

Die französische Justiz hat die Herausgabe eines Videos gefordert, das die letzten Sekunden im Inneren der in den französischen Alpen abgestürzten Germanwings-Maschine zeigen soll. „Wenn eine Person ein solches Video besitzen sollte, muss sie es umgehend den Ermittlern übergeben“, erklärte der zuständige Staatsanwalt von Marseille, Brice Robin. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt liege den Ermittlern kein Video vor, das den Absturz des Airbus A320 zeige.

Zuvor hatten mehrere Medien über ein solches Video berichtet. Auf der Internetseite von Paris Match hieß es, auf dem nur wenige Sekunden dauernden Video seien keine Menschen zu erkennen, aber „Oh, mein Gott“-Rufe in mehreren Sprachen zu hören. Paris Match und Bild zufolge stammt das Video von einem am Absturzort gefundenen Handy.

Der Vertreter der Gendarmerie, Jean-Marc Ménichini, hatte diese Angaben allerdings in einem Interview mit dem US-Nachrichtensender CNN bestritten. Die Angaben seien „vollkommen falsch“. Ermittler hätten die am Absturzort gefundenen Handys noch nicht ausgewertet. Die Geräte würden im Zuge weiterer Untersuchungen an ein spezialisiertes Institut in Rosny-sous-Bois bei Paris geschickt.

Chefs von Lufthansa und Germanwings an Absturzstelle eingetroffen

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Der damaligen Flugschüler Andreas L. soll nach einer krankheitsbedingten Unterbrechung seiner Ausbildung die Verkehrsfliegerschule des Unternehmens 2009 über eine „abgeklungene schwere depressive Episode“ informiert haben.

Derweil machten sich die Chefs von Lufthansa und Germanwings erneut vor Ort ein Bild der Lage in den französischen Alpen gemacht. Carsten Spohr (Lufthansa) und Thomas Winkelmann (Germanwings) landeten am Mittwochmorgen in Südfrankreich. Anschließend legten sie am Gedenkort in Le Vernet, einer kleinen Siedlung in unmittelbarer Nähe des Katastrophenortes, einen Kranz nieder. In Marseille wollen sie außerdem erneut mit Angehörigen zusammenzukommen.

Eine geplante Feier zu ihrem 60. Jubiläum hat Lufthansa am Dienstag abgesagt. Die für den 15. April vorgesehenen Feierlichkeiten fänden „aus Respekt vor den Opfern des Absturzes von Flug 4U9525“ nicht statt, teilte der Germanwings-Mutterkonzern mit. „An Stelle der geplanten Jubiläumsveranstaltung wird Lufthansa den Staatsakt aus dem Kölner Dom, bei dem Angehörige und Freunde am 17. April 2015 der Opfer gedenken werden, für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter übertragen.“

Gottesdienst in Haltern

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In der westfälischen Stadt Haltern wollen Trauernde am Mittwoch zu einem öffentlichen Gottesdienst zusammenkommen. Die Pfarrer der katholischen und der evangelischen Kirche sowie der Halterner Bürgermeister Bodo Klimpel haben für 17 Uhr in die St.-Sixtus-Kirche eingeladen. Es werden viele Teilnehmer erwartet, deshalb wird der Gottesdienst über Lautsprecher auch nach draußen übertragen. 16 Schüler und zwei Lehrerinnen eines Halterner Gymnasiums waren bei dem Absturz gestorben.

An der Absturzstelle in den französischen Alpen soll am Mittwoch damit begonnen werden, persönliche Gegenstände der Toten zu sichern. Die Bergung der Opfer wurde nach Angaben der Gendarmerie am Dienstag abgeschlossen. Bis spätestens Ende der Woche sollen alle Opfer identifiziert sein. Das hatte Frankreichs Präsident François Hollande am Dienstag in Berlin erklärt. Außerdem geht die Suche nach dem Flugdatenschreiber weiter.

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Die Verkehrsfliegerschule der Lufthansa wusste während der Ausbildung von Copilot Andreas Lubitz von einer vorausgegangenen Depression. In einer E-Mail habe der damalige Flugschüler 2009 im Zusammenhang mit der Wiederaufnahme seiner Ausbildung die Verkehrsfliegerschule über eine „abgeklungene schwere depressive Episode“ informiert, teilte die Lufthansa in einer Pressemeldung mit.

„Die Unterlagen wurden erneut durchgesehen inklusive der E-Mails“, erläuterte eine Lufthansa-Sprecherin in Frankfurt am Main am Mittwoch. Diese „neue Erkenntnis“ sei vom Unternehmen an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet worden. Der Co-Pilot des Germanwingsflugs 4U9525 hatte in seiner Ausbildung in der Verkehrsfliegerschule eine Unterbrechung von mehreren Monaten. Im Anschluss an die Ausbildung wurde dem Co-Piloten die erforderliche ärztliche Flugtauglichkeit bestätigt.

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Der Versicherungskonzern Allianz rechnet für das abgestürzte Germanwings-Flugzeug Branchenkreisen zufolge mit Kosten für die Versicherer von bis zu300 Millionen Dollar. Bei der Summe handele es sich um eine vorläufige Schätzung, sagte eine mit den Berechnungen vertraute Person. Der endgültige Betrag könne sowohl darüber als auch darunter liegen. Die Allianz als Hauptversicherer der Maschine habe diese Summe aber zunächst festgelegt. Denselben Betrag nannten auch Berichte der Versicherungszeitung The Insurance Insider und des Handelsblatts.

Den Hauptteil der Zahlungen macht demnach der Schadenersatz für die Passagiere aus. Der Germanwings-Mutterkonzern Lufthansa zahlt den Hinterbliebenen zunächst bis zu 50 000 Euro je Opfer als Entschädigung. Insgesamt wird in der Regel in der Luftfahrt aber mit einer Entschädigung von einer Million US-Dollar im Todesfall pro Passagier kalkuliert. Im Fall von Flug 4U9525 wären das 150 Millionen Dollar. Hinzu könnten einem der Berichte zufolge Schadenersatzklagen der Familien der drei getöteten US-Bürger vor amerikanischen Gerichten kommen. Außerdem fallen weitere Kosten wie die Bergung und der Verlust des Flugzeugs an, das aufgrund des Alters von 24Jahren allerdings nur noch etwa 6,5 Millionen Dollar wert war.

Quelle:  http://www.sueddeutsche.de/panorama/flug-u-staatsanwalt-fordert-herausgabe-von-mutmasslichem-absturz-video-1.2417742

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