Vergessene Geschichte 1: Crash der Credit-Anstalt

+bancoaustriaco

Die österreichische Credit-Anstalt war 1931 die größte Bank Zentraleuropas. Ihr Zusammenbruch, der immer noch als eine der größten Bankenkrisen der Geschichte gilt, brachte die Weltwirtschaftskrise aus den USA nach Europa. Eine Bank nach der anderen und viele Industriebetriebe machten daraufhin Bankrott .

Finanzielle Verluste

Am 8. Mai 1931 informierte die Credit-Anstalt die österreichische Regierung über ihre riesigen Verluste von über 140 Millionen Schilling, 85 % des Firmenkapitals der Bank. Zu dieser Zeit war die Regierung zwar schon an Meldungen über Bankzusammenbrüche gewohnt, aber diese Nachricht veranlasste sie zu mehreren Geheimsitzungen. Die Position der damaligen österreichischen Regierung könnte man mit dem aktuellen Neoliberalismus vergleichen. Staatliche Eingriffe waren in den 1920er Jahren verpönt. Es hieß, die Wirtschaft könne sich selbst regulieren. Damals wie heute war das vor allem Rhetorik, die vergessen war, sobald wirtschaftliche Schwierigkeiten einen Konkurrenznachteil für die österreichische Wirtschaft bedeutet hätten. In drei Tagen wurde ein staatliches Rettungspaket von 100 Millionen Schilling erstellt, mit dem die Verluste der Gesellschafter und Aktionäre der Bank, der Familie Rothschild und des österreichischen Staates, abgedeckt werden sollten.

Krisenherd Österreich

Die Folgen der Credit-Anstalt Krise waren bald weltweit zu spüren. Ihre Jahresbilanz entsprach bis dahin den gesamten österreichischen Staatsausgaben, sie hatte Anteile an elf weiteren Banken und an 40 weiteren Industrieunternehmen in der früheren österreichisch-ungarischen Monarchie. 69 % der GesmbHs in Österreich machten ihre Geschäfte mit der Credit-Anstalt und 14 % davon waren tief bei der Bank verschuldet. Sie war auch die erste europäische Bank, die an der New Yorker Börse eingeführt wurde. Über 50 % ihrer Aktien waren in ausländischem Besitz und ihre Kreditgeber waren vor allem britische und amerikanische Banken.

Kooperation und Konkurrenz

Das bedeutete, dass die Regierungen ähnlich wie heute zur Kooperation gezwungen waren, da ihnen drohte, im Sog der österreichischen Bankenkrise nach unten gezogen zu werden. Zuerst stimmte die Bank von England gegen einen Kredit an Österreich, was aber die Krise rasch vertiefte. Als die Probleme der Bank am 11. Mai bekannt wurden, stürmten die Kunden die Credit-Anstalt und andere Wiener Banken. Jetzt änderte die Bank von England ihre Strategie, weil klar wurde, dass der gesamte europäische Markt in Mitleidenschaft gezogen würde, und gewährte der Österreichischen Nationalbank einen Kurzzeitkredit und 130 ausländische Kreditgeber stimmten einem Stillhalteabkommen zu. Der österreichische Staat mit einem Jahresbudget von 1,8 Milliarden Schilling gewährte 1,2 Milliarden an Garantien für die internationalen Verpflichtungen der Bank. Doch die Hoffnungen der österreichischen Regierung, dass diese Maßnahmen ausreichen würden um den Absturz aufzuhalten, waren naiv.

Verstaatlichung

Es war zu erwarten, dass Österreichs Währung absinken würde, und in- und ausländische Anleger wechselten ihre Schilling-Guthaben in andere Währungen um. Bis Oktober 1931 verlor die Österreichische Nationalbank 700 Millionen Schilling an Fremdwährungen. Erst im Jänner 1933 kam es zu einer Übereinkunft mit den Gläubigern der Bank. Ihr altes Stammkapital wurde von 177,5 Millionen Schilling auf eine Million Schilling reduziert, und der österreichische Staat wurde mit 51% Mehrheitseigentümer und musste die Verantwortung für alle Außenstände der Bank übernehmen. 1931 und 2008 herrscht bei den Eliten völliges Chaos und Unvermögen, die Krise zu verstehen und sie einzudämmen. Am Ende betrugen die Verluste der Bank mehr als eine Milliarde Schilling, das siebenfache des ursprünglich verlautbarten Verlustes. Der österreichische Staat und die Nationalbank übernahmen 70% der Verluste. Der größte Teil der Verluste waren faule Kredite, also Kredite, die der Bank mit dem einbrechenden Wirtschaftsabschwung nicht mehr zurückbezahlt werden konnten.

Gier und Blindheit

Ähnlich wie heute hatte die Bank in der vorhergehenden Phase des Booms in der Hoffnung auf immer weiter steigende Profite – man könnte auch sagen in blinder Gier – bedenkenlos Kredite vergeben. 1929 krachte das amerikanische Finanzsystem und spätestens dann war klar, dass der Boom der Zwanzigerjahre zu Ende gehen würde. Der Aufschwung hatte keine solide Grundlage, sondern basierte auf einer Finanzblase, ähnlich der, die seit 2000 aufgebaut wurde. Das sah schon 1929 der Großteil der Ökonomen so, was die Kapitalisten aber nicht davon abhielt, weiter zu zocken. Denn alleine die Tatsache, dass die Krise an manchen Orten später eintrifft als an anderen, lässt sie blind für Risiko werden. Zwischen 1929 und 1931 hat die Credit-Anstalt noch Unsummen an Zuckerbarone in Osteuropa verborgt, weil die Industrie von einem weiteren Wachstum ausging. Nun wo Märkte schrumpften, blieb sie auf dem Zucker sitzen und der Zusammenbruch setzte sich fort.

Unverbesserlich

Die aktuelle Finanzkrise hat sich ebenfalls schon im Herbst 2006 angekündigt, als der amerikanische Immobilienmarkt ernste Probleme bekam. Im Februar 2007 schlitterte die größte europäische Bank HSBC in die Krise und dennoch haben unsere Banken bis heute ihre riskanten Geschäfte weiter geführt. Damals wie heute bekommen die Banken zur Fortführung ihrer dubiosen Geschäfte Steuergelder, was einfach bedeutet, dass wir die Kosten für ihre Krise aufgebürdet bekommen. Was sie aber wahrscheinlich nicht davon abhält, tiefer in die Krise zu rutschen.

von Manfred Ecker

Zu allen Artikeln dieser Ausgabe

Quelle:  http://www.linkswende.org/1533/Vergessene-Geschichte-1-Crash-der-Credit-Anstalt

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