Das Karstädt-Protokoll: Die Gluten-Falle

Uwe Karstädt

Weizen – einst ein Segensbringer, heute eher eine Plage. Mit einem Naturprodukt hat das zumeist gentechnisch veränderte und mit dem Eiweißklebstoff Gluten angereicherte Getreide kaum noch etwas zu tun. Die Konsequenz: Heute lassen sich über 200 verschiedene gesundheitliche Beschwerden auf den Konsum von industriell hergestellten Backwaren zurückführen. Und jüngste wissenschaftliche Veröffentlichungen weisen nun auch noch nach, dass bestimmte Weizenproteine im Gehirn drogenähnliche Mechanismen auslösen und daher ein hohes Suchtpotenzial haben. Das Karstädt-Protokoll Nr. 11 fasst daher die Gesundheitsgefahren des in Massen produzierten »Grundnahrungsmittels«zusammen und klärt über die Glutenintoleranz auf, ein von der Schulmedizin wieder einmal völlig vernachlässigtes Krankheitsbild.

Kaum eine Getreidesorte wird heutzutage häufiger und in so großen Mengen konsumiert wie Weizen. Die meisten Menschen essen quasi bei jeder ihrer Mahlzeiten dieses Getreide. Weizen bzw. Weizenmehl ist der Grundstoff, aus dem Brot und Brötchen, Frühstücksflocken, Cerealien, Kuchen, Nudeln (Hartweizengrieß) und vieles mehr hergestellt wird. Mit einer weltweiten jährlichen Produktionsmenge von ca. 675 Mio. Tonnen (im Jahr 2012) ist der Weizen, nach Mais und Reis, das am dritthäufigsten angebaute Getreide der Welt. Weizenmehl ist zudem das meistverkaufte Mehl. Es gibt wohl keine Küche in Deutschland, in der es nicht zu finden ist.

 

Schätzungsweise 140 verschiedene Weizensorten gibt es auf der Welt. Die ursprünglichen Formen des Weizens sind das so genannte Einkorn (Triticum monococcum) und der Emmer (Triticum dicoccum). Die natürliche Evolution hat den Weizen dabei im Laufe der Zeit kaum verändert. Erst in den letzten 50 Jahren wurde das Getreide durch die Agrar- und Lebensmittelindustrie massiv in seinem genetischen Aufbau verändert.

Dahinter steht wie so oft der Gedanke der Gewinnmaximierung: Der Weizen soll möglichst schnell wachsen, viel Ertrag bringen, resistent gegen Schädlinge und möglichst für die mechanischen Voraussetzungen einer Verarbeitung bei industriellen Backprozessen optimiert sein.

Somit ist der heute vorwiegend angebaute Weichweizen (Triticum aestivum) genetisch weit vom Urweizen entfernt. Er besteht nämlich zu bis zu 50 Prozent aus Gluten. Gluten ist ein so genanntes Klebereiweiß, ein Sammelbegriff für das Stoffgemisch aus Proteinen, das im Samen des Weizens vorkommt. Je mehr Gluten im Getreide vorhanden ist, desto einfacher und besser lässt es sich in Verbindung mit Wasser für die Herstellung kommerzieller Backwaren verwenden.

 

Backwaren ohne Gluten gelingen oftmals nicht so luftig und saftig wie mit herkömmlichem Weizenmehl, denn das Klebereiweiß sorgt beim Backen auch für eine gute Porenbildung und feste Krume (Innenteil von Backwaren). Doch so schön die aus Weizenmehl hergestellten Backwaren auch aussehen, gesund sind sie nicht. Mit dem hohen Glutenanteil gehen enorme Probleme für die Volksgesundheit einher.

Denn der menschliche Organismus ist für den Verzehr so hoher Glutenmengen einfach nicht geschaffen. Der Stoffwechsel des Menschen hat sich in den letzten 2,5 Millionen Jahren so gut wie nicht verändert. Genetisch gesehen befindet sich der Mensch noch immer in der Steinzeit.
Erst seit etwa 10 000 Jahren ernähren sich die Menschen durch die Erschließung des Ackerbaus vollkommen anders als unsere Vorfahren aus der Steinzeit. Das mag zunächst nach einer sehr langen Zeitspanne klingen, doch aus evolutionärer Sicht ist sie nicht lang genug. Für die Evolution ist diese etwa 300 Generationen umfassende Zeitperiode nämlich viel zu kurz, um das Verdauungssystem des Menschen diesen neuen und völlig veränderten Gegebenheiten anzupassen.

All die Neuzüchtungen und die genetische Veränderung des Weizens (während der Urweizen lediglich 14 Chromosomen aufweist, enthält der heutzutage gebräuchliche Weichweizen 42 Chromosomen) haben dafür gesorgt, dass immer mehr Menschen das Getreide nicht vertragen.
Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass unser Weizen vor 50 Jahren lediglich fünf Prozent Gluten enthielt. Heute besteht er jedoch zu etwa 50 Prozent (!) aus dem gesundheitsgefährdenden Eiweiß.

Zöliakie-Erkrankungen verdoppelt

Auch der Schulmedizin ist schon lange der Zusammenhang zwischen Gluten und Zöliakie bekannt, wenngleich er von ihr nicht so ernst genommen wird, wie es eigentlich sein müsste. Die Zöliakie, die auch als »gluteninduzierte Enteropathie« und bei Erwachsenen als »Sprue« bezeichnet wird, ist eine genetisch bedingte Autoimmunerkrankung. Obwohl auch viele Kinder von ihr betroffen sind, wird sie oft erst im Erwachsenenalter erkannt. Diese Erkrankung des Dünndarms wird durch Gluten (genauer gesagt durch die Glutenuntereinheit Gliadin) ausgelöst.

 

Die Anzahl der Zöliakie-Erkrankungen hat sich in den letzten 20 Jahren nahezu verdoppelt. In Deutschland ist Zöliakie eine häufige Erkrankung. Laut der Deutschen Gesellschaft für Zöliakie leidet jeder 200. Mensch hierzulande unter der Glutenunverträglichkeit. Dabei können die Symptome sehr diffus sein, was eine korrekte Diagnose umso schwieriger machen kann. Zu den typischen Zöliakie-Symptomen gehören u.a.

  • Verdauungsbeschwerden, wie Durchfall, Verstopfung oder Blähungen,
  • Bauchschmerzen,
  • Muskelschmerzen,
  • Gelenkschmerzen,

Liegt eine Glutenunverträglichkeit vor, reagiert der Darm auf diese spezielle Eiweißform mit einer Entzündung der Dünndarmschleimhaut. Normalerweise wird Gluten bei gesunden Personen von einem Enzym (Gewebetransglutaminase TG2) in der Dünndarmschleimhaut gespalten. Nehmen Menschen, die an Zöliakie leiden, glutenhaltige Nahrungsmittel zu sich, werden jedoch Antikörper der Klasse IgA gegen die Gewebstransglutaminase und gegen das Eiweiß Gliadin gebildet.

 

Der Körper identifiziert Gluten als schädlich. Dann attackiert das Immunsystem mit Antikörpern die Darmschleimhaut, auf deren Oberfläche die Gewebetransglutaminase und das Gliadin sitzen. Durch diese Immunreaktion entzündet sich die Darmschleimhaut. Das hat zur Folge, dass die Nähr- und Vitalstoffe aus den Nahrungsmitteln nicht mehr richtig aufgenommen und an den Blutkreislauf weitergegeben werden können.

Bleibt eine Zöliakie über einen längeren Zeitraum unentdeckt, kann dies gravierende Folgen für den Vitalstoffhaushalt haben. Dem Körper werden dann nicht genügend Mineralstoffe, Vitamine und Enzyme zugeführt. Aus dem chronischen Mangel an diesen lebensnotwendigen Stoffen können sich dann wieder ganze neue Krankheiten entwickeln. Es entsteht eine Art Teufelskreis.

 

Während die Diagnose einer Zöliakie relativ sicher mittels einer Dünndarmbiopsie bzw. Duodenoskopie oder einer Antikörperbestimmung (Bluttest) gestellt werden kann, verhält sich die Sache bei einer Glutensensitivität weitaus schwieriger. Mittlerweile leiden sehr viele Menschen an einer Glutensensitivität, aber oft ahnen die Betroffenen gar nichts davon. Das liegt daran, dass sich die Symptome zunächst nicht einer Nahrungsmittelunverträglichkeit zuordnen lassen.Neben Verdauungsbeschwerden zeigt sich eine solche Glutensensitivität unter anderem durch

  • Kopfschmerzen und Migräne,
  • allgemeine Erschöpfung,
  • Konzentrationsstörungen,
  • Schlafstörungen,
  • Übergewicht,
  • Stimmungsschwankungen und Depressionen,
  • benebelte Sinne und veränderte Wahrnehmung.

Das grundsätzliche Problem dabei ist, dass die oben genannten Symptome auch bei vielen anderen Krankheiten auftreten und sich somit nicht ohne Weiteres dem Gluten zuordnen lassen. Zusätzlich erschwert wird die Diagnose dadurch, dass viele der oben genannten Symptome zeitversetzt, alsoerst lange nach dem Verzehr von glutenhaltigen Lebensmitteln, auftreten und der Betroffene zunächst oft gar keinen Zusammenhang vermutet.

Die Gefahr, die vom Gluten ausgeht

Der amerikanische Arzt Dr. William Davis hat ein in ernährungsbewussten Kreisen sehr beachtetes Buch geschrieben: Wheat Belly. Der deutsche Titel des Buches lautet »Weizenwampe«, was die offensichtliche Wirkung von Weizen und Gluten auf den Bauchumfang ausdrücken soll. Dr. Davis ist ein ausgewiesener Gegner der modernen Getreidewirtschaft und macht den hohen Weizenkonsum in der westlichen Welt für eine ganze Reihe von Zivilisationskrankheiten verantwortlich.

 

Er hält den Weizen für ein Gift, das uns im Alltag permanent begleitet und bedroht. Für Davis ist der Weizen der Hauptauslöser für viele Degenerationserscheinungen. Dazu gehören für ihn Diabetes, Herzkrankheiten, Darmkrankheiten, Hautentzündungen, Arthritis, Depressionen, Demenz und Übergewicht durch Bauchfett. Seine Erkenntnisse münden in folgenden Kernaussagen:

  • Weizen verführt die Menschen zu einer höheren Kalorienaufnahme.
  • Weizen erhöht den Blutzuckerwert mehr als Zucker.
  • Hoher Weizenkonsum führt zu viszeralem Bauchfett (Organverfettung).
  • Weizen führt zur höheren Säurebelastung des Körpers.
  • Weizen ist Auslöser von Akne.
  • Weizen erhöht das Risiko einer Herzerkrankung.
  • Weizen führt zu Gelenkverschleiß.
  • Weizen macht süchtig und benebelt die Sinne.

Für letztere Kernaussage gibt es im englischen Sprachschatz den Begriff »brain fog« (kognitive Dysfunktion). Ein Großteil der Schulmedizin ignoriert diese Tatsache, obwohl sie auf der Hand liegt. Gluten ist schwer verdaulich. Oft wird es nur unvollständig zerlegt. Es bleiben unverdaute Glutenreste zurück, die so genannten Peptide. Sie können über die Darmschleimhaut direkt in die Blutbahn gelangen. Glutenpeptide können körpereigene Endorphine nachahmen.

 

Endorphine haben eine wichtige Funktion im menschlichen Gehirn, sie sind beispielsweise an der Steuerung unserer Leid- und Glücksgefühle sowie dem Schmerzempfinden beteiligt. DieseGlutenpeptide werden auch »opioide Peptide« genannt. »Opioid« kommt von »Opium« und weist auf ihre benebelnde Wirkung hin.

 

Es steht außer Zweifel, dass die Lebensmittelindustrie die Konsumenten bewusst in diese Glutenfalle lockt. Für Dr. Davis ist klar, dass Weizen einen ähnlichen Effekt auf das Gehirn hat wie Drogen und von ihm die Gefahr für ein Suchtverhalten ausgeht. Gluten sowie Kasein, das sich in Milchprodukten findet, können wie Opiate auf das Gehirn wirken, wenn sie nicht richtig verdaut werden. Sie durchdringen dann die Blut-Hirn-Schranke oder wirken so auf die Zellrezeptoren, dass sie durchgelassen werden.

 

Beides stört die normale Gehirnfunktion, so dass intellektuelle Leistungen, das Verhalten und das Denken beeinträchtigt werden. Gluten kann dem Gehirn einen bleibenden Schaden zufügen. Diese Erkenntnis habe ich schon in meinem Buch Die Säure des Lebens beschrieben:

»Getreide und Milchprodukte werden schon im Magen zerlegt und in Glutenmorphine und Kasamorphine aufgespalten. Diese Morphine sind übrigens wie der Name schon sagt Substanzen, die ein gewisses Suchtpotenzial erahnen lassen. Nicht umsonst antworten die meisten meiner Patienten auf die Frage: ›Auf welche Nahrungsmittel könnten Sie am schwersten verzichten?‹
fast immer mit ›Teigwaren, Süßigkeiten und Milchprodukte‹. Manche sagen sogar in ihrer Fixierung auf diese zwei Lebensmittelgruppen: ›Ja, was soll ich denn sonst essen?‹ oder ›Da bleibt ja nichts mehr übrig.‹«

Auch Dr. Davis erklärt mit dem Suchtpotenzial in Gluten das gesteigerte Essverlangen vieler Menschen und ihre Gier nach Brot, Kuchen und Pasta. »In Deutschland, Europa und der ganzen Welt hat Weizen eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Es ist längst überfällig, dass wir diese erschütternde Situation zur Kenntnis nehmen und wieder gesund werden«, fordert der Kardiologe.
Wie kann ich mich vor Gluten schützen?

Seit 2005 sind die Lebensmittelhersteller verpflichtet, glutenhaltige Nahrungsmittel zu kennzeichnen. Dabei müssen glutenhaltige Zutaten wie der Weizen auf der Zutatenliste aufgeführt werden. Der Begriff »Gluten« selbst muss jedoch nicht verwendet werden. Gluten ist fast immer in folgenden Produkten enthalten:

  • Brot und Backwaren,
  • Nudeln,
  • Pizza,
  • Müsli und Frühstückscerealien,
  • Kekse,
  • paniertes Fleisch,
  • Malzkaffee,
  • Bier,
  • Sojasoße.

Selbst wenn auf solchen Produktverpackungen »glutenfrei« draufsteht, ist oft trotzdem das Weizengift enthalten. Denn ein Lebensmittel darf schon dann per Gesetz als glutenfrei gekennzeichnet werden, wenn es weniger als zwei Milligramm Gluten je 100 Gramm Lebensmittel enthält. Glutenhaltige Zutaten in Sirup und Spirituosen unterliegen überhaupt nicht der Kennzeichnungspflicht, was ich für ein schweres Versäumnis der Ernährungspolitik halte.

 

Erste Hilfe bei Glutensensitivität

 

Am besten, man reduziert den Verbrauch von Lebensmitteln mit Glutengehalt auf ein Minimum. Faustregel: Nur einmal in der Woche zum Beispiel Pasta essen!

 

Es gibt aber auch eine Reihe von Nahrungsmitteln, die von Natur aus überhaupt kein Gluten enthalten. Sie können, vorausgesetzt, dass sie mit keinen glutenhaltigen Zusätzen versehen sind, völlig bedenkenlos verzehrt werden.

 

Dazu gehören:

  • Fleisch,
  • Fisch,
  • Geflügel,
  • Meeresfrüchte,
  • Kartoffeln,
  • alle Obst- und Gemüsesorten,
  • Hülsenfrüchte,
  • Honig,
  • Zucker,
  • Salz,
  • Kräuter,
  • Nüsse.

Getränke:

  • Wasser und Säfte,
  • Kaffee und Tee,
  • Wein und Sekt.

Wenn Sie selbst kochen, dann sollten Sie auf glutenfreie Getreidesorten zurückgreifen. Das sind im Wesentlichen: Reis, Mais, Hirse, Buchweizen, Amarant, Quinoa, Wildreis und Teff (Zwerghirse).

Wie ich Zöliakie-Patienten therapiere

In meine Praxis kommen immer wieder Patienten, die unter der Glutenunverträglichkeit leiden. Wie kann ich diesen leidgeplagten Menschen helfen? Neben der zwingenden Maßnahme einer radikalen Ernährungsumstellung hin zu glutenfreien Produkten versuche ich vor allem die Mangelerscheinungen zu therapieren. Zöliakie führt nämlich bei den meisten Patienten zu einem Vitaminmangel.

 

Vitamin A, Vitamin B6, Vitamin B12, Vitamin K und Folsäure werden häufig unzureichend aufgenommen. Auch die Spurenelemente Eisen, Magnesium und Kalzium müssen künstlich zugeführt werden. Ein Mangel an Eisen, Folsäure oder Vitamin B12 kann zur Blutarmut führen. Kalziummangel äußert sich gerne in Muskelkrämpfen. Treten solche Mangelerscheinungen auf, empfehle ich die Verwendung von Präparaten aus der Biologo-Detox-Line. Das kann natürlich nur Erfolg haben, wenn der Patient auch bei der Ernährungsumstellung entsprechend mitmacht.

 Quelle:  http://info.kopp-verlag.de/medizin-und-gesundheit/gesundes-leben/uwe-karstaedt/das-karstaedt-protokoll-die-gluten-falle.html

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